Bach:Sommer
“Arnstadt ist wahrscheinlich die schönste unter den Bach-Städten”, schrieb Tilman Spreckelsen in der ZEIT. Arnstadt ist auch die Bach-Stadt, die mit der Familie Bach am engsten verbunden ist. 25 Bache wurden in Arnstadt beerdigt. Und bis heute kann man den Wohn- und Arbeitsstätten Johann Sebastian Bachs und der verwandten Bache an vielen Stellen des lichten und großzügigen historischen Stadtkerns Arnstadts nachspüren.
Auf den Spuren des barocken Klangs
Eine dieser Stätten ist die frühgotische Oberkirche mit ihrer phantastischen Akustik, Teil eines ehemaligen Franziskanerklosters. Heinrich Bach, ein Großonkel Johann Sebastians und der Großvater seiner Frau Maria Barbara spielte hier 51 Jahre von 1641 bis 1692 die Orgel. Und auch Johann Sebastian, eingestellt für die Neue Kirche, dürfte hier – in der Kirche des Superintendenten Johann Gottfried Olearius – gelegentlich gespielt haben. Der Schulchor, um den es während Bachs Dienstzeit immer wieder Ärger gab, gehörte zum benachbarten Lyzeum, in den Räumen des ehemaligen Konvents. Der Dichter Christian Friedrich Hunold, der sich Menantes nannte, ging in den 1690er Jahren hier zur Schule. Um 1700 schrieb er in Hamburg Libretti für den Opernkomponisten Reinhard Keiser, zu Bachs Köthener Zeiten wurde er ein Freund Bachs und schrieb auch für ihn einige Texte. Das Abschlußkonzert des Bach:Sommers findet in Hunolds Taufkirche in Wandersleben statt.
Klein und intim
Es ist für ein Musikfestival ein Glücksfall, wenn es vom kontinuierlichen Engagement eines herausragenden Künstlers und in diesem Fall auch von der Inspiration eines herausragenden Wissenschaftlers getragen wird. Die Musik-Enzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), zählt ihn „zu den bedeutendsten Bach-Interpreten der Gegenwart“. Rifkin gibt dem Bach:Sommer ein klares und sehr individuelles Profil: Alte Musik mit dem Schwerpunkt Barock – insbesondere von Joh:Seb:Bach – entwickelt und aufgeführt von Musikern, die sich mit aller Hingabe für eine historische Aufführungspraxis engagieren. Der Bach:Sommer wird eine kleine und intime Veranstaltung sein, bei die
Gäste sehr unmittelbar in Kontakt mit den Musikern und der Barockmusik kommen.
Hierzu gehört, daß die konzertierenden Musiker eine gewisse Zeit in der Stadt verweilen und öffentliche Proben stattfinden. Über die beiden Konzerte hinaus stehen auf dem Programm: Die Ausstellung Johann Sebastian Bach – Rezeption und Vereinnahmung und ein Podiumsgespräch zu aktuellen Fragen der Bach‘schen Musik und Aufführungspraxis; eine Hörwerkstatt für interessierte Kinder und Jugendliche, in der ihnen die historischen Instrumente, aber auch tragende Elemente der Barockmusik, wie der basso continuo, von den Musikern erklärt werden. Und schließlich ein großes Sommerfest unter freiem Himmel mit den beteiligten Musikern.
Folgendes schwebt mir vor für die Oberkirche und Arnstadt: zwei oder drei Konzerte mit einem Repertoire, das von Solowerken zu Kantaten und anderen Vokalwerken reicht. Die Musiker arbeiten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern laden zu offenen Proben ein, stehen jeder Zeit zum Gespräch bereit (...). Anders als so häufig bei Bach-Veranstaltungen herrscht eine lockere Atmosphäre: Bach wuchs ja in einer der schönsten Landschaften Europas auf, die in seiner Musik ihre Spuren immer noch hinterlässt.
Joshua Rifkin in einer Email 2010
Dass Bach in Arnstadt lebte und wirkte, weiß außer den Arnstädtern niemand.
Jost Hecker, Modern String Quartett, anläßlich eines Konzerts 2011